Forum Z

Women on the march

Event, Fraewahlrecht, Politik, CID, MLF, Berthe Lutgen, MNHA

Am Kader vum Centenaire vum Fraewahlrecht huet den C2DH vun der Universitéit Lëtzebuerg den 20. Oktober 2019 e Forum Z mam Titel Women on the march from 1919 to 2019 in Luxembourg organiséiert. No enger Visitt vun der grousser Ausstellung Wiele wat mir sinn am MNHA, duerft ech am Numm vum CID eng vu 6 Kuerz-Presentatiounen halen. De Sujet vu mengem Input sollt sinn: Du MLF au CID-Femmes… Tout est-il acquis aujourd’hui?

Hei ënnen den Text vu menger Presentatioun.

Ausschnëtt vum Konschtwierk La marche des femmes vum Berthe Lutgen

Die luxemburgische Frauenbefreiungsbewegung, kurz MLF (Mouvement de Libération des Femmes), wurde im Zuge der Aufbruchsstimmung der 60er Jahre und inspiriert durch das französische Pendant gegründet. Die Initiative ging aus von der Künstlerin Berthe Lutgen (heute anwesend), welche 1971 ins Hôtel de l’Ancre d’Or einlud. An diesem Abend wurde die Gründung der Organisation MLF beschlossen.

Trotz der großen Diversität der Mitglieder, hatten alle das Verlangen nach einer radikalen Gleichberechtigung und einer Neuverteilung der Rollen von Frauen und Männern, im Beruf wie im Privatleben.

Die Reform des Eherechts war die erste große Kampagne des MLF. Damals war die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern fest im Code civil verankert. Rückblickend kann zweifellos gesagt werden, dass die Luxemburger Frauenbewegung maßgeblich mitverantwortlich war für das neue Ehegesetz von 1974.

Ab 1974 stand die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper und ihre Sexualität im Vordergrund und der MLF forderte die Entkriminalisierung der Abtreibung. Ganz nach französischem und deutschem Vorbild organisierte das MLF eine Unterschriftenaktion unter dem Titel „Ich erkläre, abgetrieben zu haben / ich erkläre mich solidarisch mit Frauen, die abgetrieben haben“ und sammelte so 421 Unterschriften - die konservative Tagespresse veröffentlichte diese aber selbstverständlich nicht.

Ein wichtiges Thema des MLF war das Recht der Frauen auf Arbeit. Auf Bestreben des MLF entstand in diesem Zusammenhang 1979 die erste subventionierte Kindertagesstätte namens „chance, égalité“ in Luxemburg. Auch die Einrichtung des ersten Frauenhauses als Zufluchtsort für misshandelte Frauen 1979 geht auf eine Arbeitsgruppe des MLF zurück, aus der sich der gemeinnützige Verein „Femmes en détresse“ entwickelt, die heute größte Frauen-Hilfs-organisation in Luxemburg.

1979 konnte der MLF erstmalig ein Frauenzentrum einrichten, wo die Arbeitsgruppe Info femmes Telefondienst anbot zur Beratung bei ungewollten Schwangerschaften.

Gewalt gegen Frauen, die Bekämpfung von Prostitution und Pornographie waren weitere wichtige Themen.

Im MLF gab es ab 1982 eine sehr aktive Lesbengruppe, die die Publikation Info-Lesbiennes herausgab. Die Lesben waren auch sehr aktiv in der Theatergruppe des MLF. Zwischen Lesben und Heteras gab es allerdings auch zeitweise starke Spannungen.

In den 80er Jahren verlor die Frauenbewegung (nicht nur in Luxemburg) an Schwungkraft.

Die Idee ein Frauendokumentationszentrum zu gründen, wie es im europäischen Ausland immer häufiger vorkam, wurde von ausländischen Frauen, die vor allem in europäischen Institutionen arbeiteten, an MLF Mitglieder herangetragen. Mit ihrer Energie und ihrem Optimismus trugen sie wesentlich zur Entstehung des CID bei.

Nach etwas Vorlaufzeit eröffnete das Cid-femmes am 8. März 1992 seine Türen. Finanzielle Unterstützung gab es von Anfang an von den für Gleichstellungsfragen verantwortlichen Ministerien und dem Kulturministerium.

Das CID ist seit jeher feministische Bibliothek und Mediathek, schnell kamen pädagogische, kulturelle und soziopolitische Projekte dazu.

Zwei Themen bilden in der Projektarbeit bis heute eine Konstante: „Gender und Musik“ sowie „Erziehung zur Gleichheit“. Dem zweiten liegt die Überzeugung zugrunde, dass ein Mentalitätswandel am besten durch eine Veränderung der pädagogischen Inhalte zu erreichen sei. In dieser Perspektive wurde 2002 auch der Girl’s Day initiiert. (Ab 2007 - 2010 Girl’s Day Boy’s Day koordiniert.) Unterrichtsmappen sowie mehrere Bücherkoffer, die nach dem Prinzip einer Rucksackbibliothek funktionieren, richten sich vor allem an GrundschülerInnen.

Von Beginn an hat das CID mit vielfältigen Organisationen und Institutionen zusammengearbeitet und hat Bündnisse initiiert, wie zum Beispiel den Zusammenschluss der Frauenorganisationen zur Vorbereitung der Aktionen zum Weltfrauentag.

So entstand unter anderem die Internetseite fraendag.lu (2011) und der Stadtrundgand „Frauenleben - Frauenlegenden“ (2008). Um gegen die Unterrepräsentanz von Frauen in den Medien vorzugehen, hat das CID unter anderem am internationalen Global Media Monitoring Projekt teilgenommen und die Expertinnendatenbank Expertisa ins Leben gerufen. Außerdem bekämpft das CID seit Jahren Frauen diskriminierende Werbung.

Ein wichtiges Ziel des CID ist die Aufarbeitung und Dokumentation der Frauengeschichte unter anderem über zahlreiche Veröffentlichungen. „Das Gespenst des Feminismus“ bildet die Basis meiner Ausführungen. „Mit den Haien streiten“ ist die aktuellste Publikation des CID und zur Zeit für den luxemburgischen Buchpreis nominiert.

Ein Schwerpunkt des Cid ist die Förderung von Künstlerinnen, wobei Gender und Musik besonders im Fokus stehen. Konzerte um die Werke von Komponistinnen bekannt zu machen, CD-Editionen sowie die Archive von Lou Koster (2003) und Helen Buchholtz (2000) sind erfolgreich im In -und Ausland.

Ist heute alles erreicht? Bereits nach der Einführung des Frauenwahlrechts wurde den Frauen diese Frage gestellt.
Der MLF und die Frauenbewegung insgesamt haben ohne Zweifel zu einem beschleunigten gesellschaftlichen Wandel zugunsten der Frauenrechte beigetragen. Trotz gesetzlicher Gleichstellung und trotz aller wichtiger und hart erkämpfter Fortschritte, gelten Frauen, insbesondere lesbische Frauen, trans Frauen, muslimische Frauen, schwarze Frauen, und einkommensarme Frauen noch immer nicht als gleichwertig und erfahren Diskriminierung. Es geht dabei nicht um „Männer gegen Frauen“, sondern um Privilegien und strukturelle Benachteiligungen. Um auf die komplexen Verhältnisse aufmerksam zu machen, denen eine binäre Einteilung in „die Männer“ und „die Frauen“ nicht gerecht wird, hat das Cid-Femmes sich 2002 in CID | Fraen an Gender umbenannt.

Zu fortwährenden Problemen wie häuslicher Gewalt gegen Frauen, kommt die Infragestellung erkämpfter Errungenschaften auf internationalem Terrain hinzu, wie zum Beispiel das Recht auf Abtreibung oder die Verankerung von gender studies in der Wissenschaft. Nicht umsonst erlebt der Feminismus zurzeit wieder viel Zulauf und auch in Luxemburg bilden sich neue Bündnisse, zwischen jungen und weniger jungen Frauen und vereinzelt auch Männern, die gemeinsam für eine geschlechtergerechte Zukunft im Sinne einer Kultur der Menschenrechte kämpfen.

Am Ende möchte ich den Frauen der ersten und den anwesenden und nicht anwesenden Frauen der zweiten Frauenbewegung danken. Ohne Sie, ohne ihre Vorkämpfe und ihr anhaltendes Engagement stünde ich und stünden all wir jungen Frauen heute nicht hier. Unsere Aufgabe und Verantwortung ist es die erkämpften Errungenschaften zu bewahren und die noch bestehenden Missstände anzugehen.

copyright C2DH

D’Martine Richard vum C2DH huet e flotte Rapport vum Owend geschriwwen, den hei geliess ka ginn.


D’Konferenz mat alle Presentatiounen kann um 100,7 nogelauschtert ginn.